Heidenheimer Forumstexte Nr. 6

 

"Das Leben - ein Füllhorn der Geheimnisse"

 

Zur Ausstellung mit Christine von Splitgerber im Kloster Heidenheim

Christine Splitgerber wurde als Tochter eines Försters in der alten Grafenstadt Pappenheim geboren, in unmittelbarer Nähe der noch heute imposanten Burganlage. Sie lebte dort in einem alten Haus mit großem Garten, eingebettet in eine wildromantische Umgebung. Wie die umgebende Natur prägten auch die Erzählungen von weißen Frauen und anderen märchenhaften Gestalten nachhaltig das Leben Christine Splitgerbers. An der Akademie der Bildenden Künste in München und Nürnberg studierte sie in den Jahren von 1976 bis 1981 Malerei und freie Grafik. Aus dieser Akademiezeit stammen einige der Pretiosen aus dem Lebenswerk Christine Splitgerbers, die hier ausgestellt sind.

Mit dem Bild Halloween, gleich hier im ersten sog. Zellenraum hinter mir, eröffnet sich uns das facettenreiche Genre ihres Werkes. Noch sehr detailversessen und kraftvoll zeichnet sie mit spitzer Feder ein Bild vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, hier die Vernunft und ihr Reich der Ordnung und dort das Chaos der Gefühle, Begierden und Schrecknisse. Gesiegt hat das Böse, die Ketten der Macht sind abgeworfen, triumphierend beäugen die fratzenhaften Masken die düstere Szenerie einer halboffenen Scheune, deren Tor sich zu einer unheilvoll anmutenden Landschaft öffnet. Noch sind die Spuren des Kampfes der Unterdrückten gegen ihre Unterdrücker zu erkennen, das Aufbäumen der Geknechteten und die in ihre einzelnen Glieder aufgelösten Ketten. Die Krone, das Symbol der Ordnung, liegt geschunden im Stroh des Scheunenbodens.

Auch das Alte Schloss, ebenfalls eine Federzeichnung aus der Akademiezeit, symbolisiert den Verfall der Macht, zeigt das Bröckeln der Mauern, die diesem Sog in die Machtlosigkeit nicht mehr Stand halten können. Die Szene in der rechten Bildhälfte, die den Prozess einer Ruinierung zeigt, baut sich drohend gegenüber der noch scheinbar intakten Welt vergangener Herrlichkeit auf. Die abgelegten Kleider und die vertrockneten Körperteile zeigen, wohin der Zug der Zeit abgefahren ist, eine apokalyptische Szenerie von beeindruckender Schönheit. Wie vielseitig Christine Splitgerbers Ausbildung an der Akademie war, beweist auch ihre Lithographie Baumfrauen aus dieser Zeit, eine Demonstration ihrer Kunst, mit den Formen der Natur und des menschlichen Körpers zu spielen, die uns noch oft an diesem Abend begegnen wird.

 

Nach dem Studium zog es Christine Splitgerber zurück in die angestammte Heimat des Fränkischen Jura. Von 1980 an lebte und arbeitete sie als freischaffende Künstlerin nahezu zehn Jahre im alten Schulhaus in Geislohe. Zusammen mit ihrem damaligen Mann gründete sie auf der Burg Pappenheim  eine eigene Galerie. In einem Interview aus dem Jahre 1984 gab sie zu bedenken: Mich fasziniert die klare Schönheit der Natur ebenso wie die Verworrenheit der menschlichen Psyche. Mit ihren Frauenbildern will sie, so die Künstlerin drei Jahre später, etwas, das in der Realität nicht sichtbar ist, zum Ausdruck bringen. Ihre Frauenbilder spiegeln sehr persönliche Erfahrungen wider und tragen etwas Geheimnisvolles in sich. Und auch gegen Ende dieser Geisloher Zeit dominieren die Frauenbilder ihr Werk. Sie alle tragen etwas Geheimnisvolles und Rätselhaftes in sich. Ihre weiblichen Wesen schmücken sich mit Masken und Federn, umgeben von allerlei Symbolen und oft in Begleitung von Tieren. Sie wirken unwirklich und märchenhaft und bergen, so ein Kunstkritiker im Jahre 1989, Verlockung und Bedrohung gleichzeitig in sich.

Wenn Splitgerbes Frauenfiguren das Weibliche verkörpern sollen, dann tun sie dies auf eine sehr komplexe Weise. In ihren Arbeiten Nachtfee, Fischfrau und Schneemädchen, geschaffen in der Mitte der 80er Jahre, lösen sich die Körper in Strukturen und Symbole auf und bringen so das Wesen des Weiblichen zutage, eine ansonsten eher für den Analytiker bestimmte Vorgehensweise, derer sich die Künstlerin hier bedient. Das Weibliche birgt mehr als das Auge erkennen kann. Wenn auf den ersten Blick die äußere, oft märchenhafte Hülle der Frauen her ihre Verklärung vermuten lässt, gezeigt werden Feen, tanzende Mädchen oder Fischfrauen, so wird doch klar, dass Christine Splitgerber mit ihrer Kunst anderes verfolgt. Wie ein Pathologe nutzt sie die Möglichkeiten der Sezierung des Weiblichen und der Paralyse der körperlichen Hülle. Das Animalische, das Energisch-Aggressive in der Frau wird ebenso freigelegt wie ihr Hang zur Hingabe ans Leben und ihre von immenser Fruchtbarkeit geprägte Kraft. Auch die Spiritualität und damit die Verbindung zu den Kräften der irdischen und kosmischen Natur sei ein Wesenszug des Weiblichen, den sie zeigen möchte, und so sind auch die vielen Frauen zu verstehen, denen sie tierähnliche Körperteile anfügt, denen sie Flügel verleiht oder die sie in gefiederähnliche Strukturen auflöst.

Die Künstlerin nimmt sich dabei jedoch nicht als wertfreie Betrachterin zurück. Sie bezieht Partei und stellt, wie das die Märchenerzähler schon immer getan haben, dem Menschen die Natur des Tieres entgegen, in der sie allein die Authentizität und Unverfälschtheit der Schöpfung verwirklicht sieht. Hier weiß sie sich eins mit den großen Künstlern der Moderne, die Anfang der 20er Jahre angesichts der großen Kriegsschrecken dem Menschen jede Unschuld abgesprochen hatten und die dem menschlichen Betrachter eines Caspar David Friedrich das unverdorbene animalische Geschöpf folgen ließen, Sie alle kennen die blauen Pferde eines Franz Marc. Dass auch Christine Splitgerber dieses Bild aufnimmt und jene Ideen mit ihrer Energie umzusetzen versucht, verrät ihr künstlerisches Engagement, von dem sie nur ungern spricht. Dafür seien ihre Bilder da, und wer dies erkennt, würde ihre Kunst verstehen können. Ohne die Kunst bliebe der Blick des Menschen verstellt und verbildet, ein Motiv, das schon Goethe umtrieb und das wir ebenfalls in der Malerei der Romantik bis hin zur Moderne immer wieder entdecken können.

Ihre Heimat, der Fränkische Jura, bewegte Christine Splitgerber zeitlebens. Die drohende Zerstörung intakter Naturräume bewog sie, das noch Intakte im Bild festzuhalten. Sie pflegt nicht das romantische Klischee, sondern will mit ihren Bildern auch warnen vor weiteren zerstörenden Eingriffen in die Natur schrieb 1984 Werner Falk zu ihrer Ausstellung bei Schrenk in Gunzenhausen. In dieser Heidenheimer Werkschau sehen Sie nur wenige ihrer zahlreichen und weil erfolgreich nicht mehr im Besitz der Künstlerin befindlichen Landschaftsbilder, darunter eine Landschaft bei Geislohe und eine im Schambachtal. Bemerkenswert ist ihre Arbeit zu Mörnsheim. Die Marktgemeinde liegt eh schon idyllisch umgeben von den Höhenzügen des Altmühljura. Doch Christine Splitgerber setzt mit ihrer kolorierten Federzeichnung noch eins drauf. In fast filigraner Manier halt sie fest, was ihr Auge alles entdeckt. von der Burgruine auf dem Bergrücken gegenüber bis hin zum ehemaligen Kastenhof aus dem frühen 17. Jahrhundert. Einen Ortsplan könnte man danach fertigen lassen, so akribisch geriert sich hier die Künstlerin auf einem Berghang oberhalb der Dächer von Mörnsheim.

Längere Aufenthalte in Gomera, Tunesien, Istanbul und Bali prägten in der Folgezeit ihr Schaffen: Fremde Mythologien, Religionen und Lebensweisen beeindruckten mich und führten zu neuen Inspirationen und Einblicken. Immer schon, so die Künstlerin weiter, faszinierten mich Menschen, Situationen und Landschaften, die eine geheimnisvolle Fremdheit ausstrahlen. In meinen Bildern versuche ich den magischen Moment festzuhalten, indem ich dem verfalle, was ich sehe. Zwei tanzende Mädchen sind auf einem Bild zu sehen, das sie 1987 auf Gomera malte. Sie hat die Energie dieser Insel auf die Leinwand gebannt, hat dort ihre Erlebnisse festgehalten und der Kultur vor Ort ihren Tribut gezollt. Neben den beiden Mädchen ist eine Art Totempfahl zu sehen, den sie mit der Mythologie der Guanchen, der Ureinwohner der Kanareninsel, verknüpft wissen möchte. Die hatten sich bestimmten Tierarten seelenverwandt gefühlt und Kunstwerke als Zeichen ihrer Verehrung in die Landschaft platziert. Im Hafenviertel von Vueltas, wo sie längere Zeit wohnte, entstand das zweite Gomera-Bild dieser Ausstellung. Auch hier tritt die Tiersymbolik wieder in den Vordergrund. Der Fuchs verkörpert den niederen Instinkt, das Triebhafte, das Aggressive, während die Flügel für das Gute, das Hehre stehen. Das Böse zieht das Gute nach unten, heftige Energien werden aufgebaut, eine Sturmflut bahnt sich am Horizont an. Das Gute scheint in einem Strudel zu versinken, auch wenn die Flügel ihm die Möglichkeit anzubieten scheinen, die Verbindung zum Licht, zum leichten Element zu suchen. In jedem von uns toben diese Kämpfe und bestimmte codehafte Erlebnisse, Empfindungen oder gar Träume bringen sie an den Tag. Wie gut, wenn man dann die Fähigkeit besitzt, zu Pinsel und Feder zu greifen, um diesen Zwist auf Leinwand und Papier zu bannen.

Nicht zuletzt die Beschäftigung mit Meditation und eine intensive Erkundung des menschlichen Unterbewusstseins mit seinen archaischen Bildern, durch meine Ausbildung und Tätigkeit als Kunsttherapeutin, bestimmen die Thematik meiner Bilder. verrät Christine Splitgerber und spielt dabei auf die Jahre von 1992 bis 1999 an und sie fährt in einem Interview fort: Meine Bilder sind innere Bilder. Sie spiegeln Inhalte aus Seelenebenen, die uns meist unbewusst oder verschüttet sind. Ihre Werke kommentierte ein Kunstkritiker einmal als äußerst widersprüchlich: in den zart anmutenden Malereien erkenne man hinter hauchdünnen Schleiern Fabelwesen und archaisch anmutende Figurationen, worin wohl Umsetzungen von unbewussten, nicht geplanten Gefühlsanwandlungen zu sehen seien. Atmeten solche Bilder eine gewisse Introvertiertheit, so eröffne sich in ihren Bleistift- und Federzeichnungen fast schon ein anderes Extrem: vital, expressiv und oft drastisch seien ihre erotischen Arbeiten, ohne auf Effekte zu spekulieren.

Aus dem Jahre 1993 stammt das Bild Manege, das Sie bereits von der Einladung zu dieser Ausstellung her kennen. Eine Frau mit einem Löwen ist darauf zu sehen. Mit Aquarell- und Tuschefarben schafft Christine Splitgerber eine ausdrucksstarke Szene. Den Strich führt sie leicht, fast skizzenhaft übers Papier und die beiden konträren Farbzonen verraten eine innere Relation, die wir nun bereits kennen. Die Frau bezieht aus dem von ihr gebändigten Tier ihre Kraft, ohne dass dabei die Harmonie zwischen den beiden Lebewesen einen Verlust erleidet. Beide erscheinen gleichsam triebhaft, doch für die Frau bedeutet das Animalische an ihrer Seite Kraft und Stärke. Wer Tarot Karten legt, kennt dieses Motiv, wie überhaupt die Symbolik des Tarot einen nicht unbedeutenden Fundus auch für die Bilder von Christine Splitgerber liefert. Auch die Bilder Frau mit Federrüstung, eine der ausdrucksstarken Temperaarbeiten gleich zu Beginn der Ausstellung im Kapellenvorraum, die Tiergöttin und die Taucherin zeigen kampfeslustige Frauen, die sich dem Schutz der Tiere und damit der Urkraft der Natur anvertrauen. Geradezu programmatisch hierfür empfinde ich das Bild Frau auf Löwe, wo sich die Frau der männlichen Machtsymbole bedient, um ihre Stärke zu demonstrieren.

Mitte der 90er Jahre arbeitete Christine Splitgerber an dieser Thematik weiter und es entstanden die Bilder Sonne und Schatten und Frauen mit Schlange, in denen sie sich verstärkt den erotischen Kräften der Frau widmet, den Verführungs- und Versuchungskünsten der reifen erfahrenen Frau ebenso wie der Naivität und Laszivität der noch Unerfahrenen. Der Schlange schreibt sie jetzt nicht nur spirituelle, das Wesen der Frau stärkende Kräfte zu. Das Tier wird zum erotischen Symbol, zum Phallus in den Händen des nichtsahnenden Mädchens und man erkennt, dass in die Malerei der Christine Splitgerber Bewegung gerät, dass sie der Leichtigkeit vordergründiger Gefühle und Genüsse nicht mehr ganz so abgeneigt scheint, ja dass sie auch einmal nur aus Lust und Laune malt, um erst im Nachhinein klugen Fragestellern kluge Antworten zum Sinn ihrer Bilder zu geben.

 

So verweilte sie einmal in einem fremden Atelier und die Gelegenheit ergab sich, spontan zu dort nur nutzlos herumstehenden Acrylfarben zu greifen und die nächstbeste noch frischweiße Leinwand heimlich zu bemalen. Entstanden ist so eines ihrer schönsten Gemälde, sie nennt es heute Tier und Krone, und bei aller Spontaneität hat sie sich eine Menge dabei gedacht, ohne beim Akte des Malens dessen gewahr zu sein, sagt sie. Betrachten Sie sich das Bild auf dem Podest in der Mitte des Vorraums genau. Je länger sie es auf sich wirken lassen, umso intensiver werden sie sich selbst anspornen, hinter dem Bild etwas Tiefgründiges zu erkennen. So etwa hinter der feurigroten Echse die sich in den Vordergrund drängt, um die Krone, das Symbol de Macht zu bedrangen Die Lust, der niedere Instinkt, was auch immer das Tier verkörpern mag, es ist eine gekonnte Kontrastierung von Sensualität und Realität. Doch auch hier trägt das tierische Wesen wieder die beiden sich widerstrebenden Pole in sich: das Angriffslustige feurig Rote auf der einen und das Sphärisch Transzendente auf der anderen Seite, versinnbildlicht durch die Flügel und Blumenblätter, die aus dem Leib der Echse wachsen. Hat die Sinnlichkeit hier bereits über die Integrität der Macht und die Strenge der Leistungsgesellschaft gesiegt, die hier im linken Bildteil dargestellt wird? Man ist fast geneigt, dies zu bejahen. Doch bilden Sie sich Ihr Urteil selbst!

 

Mitte der 90er Jahre erfolgte der Umzug nach Nürnberg, Das Bild Nordbahnhof, erinnert an eine Zeit, die sicher mehr war als nur ein Standortwechsel. Die kräftig rote Farbe verrät von der inneren Zerrissenheit und den schwankenden Stimmungen zwischen der Suche nach Geborgenheit und dem Aufbruch zu neuen Erfahrungen. Die Seelenwaage pendelt und die Gewichte verlagern sich von der einen auf die andere Seite. Solch starke Gefühle im Bild auszudrücken und das meine ich höchst wörtlich, das hat die Schule der Expressionisten berühmt gemacht und dieses Metier beherrscht auch Christine Splitgerber. Da verraten ihre beiden Arbeiten Landschaft bei Nürnberg, die Kalchreuth zeigt und Kirche in Rhabarber, gemeint ist die berühmte Wehrkirche in Kraftshof bei Nürnberg, schon eher wieder so etwas wie Balance oder Gleichgewicht. Hier verspürt man wieder die Lust am Malen.

 

Ende der 90er Jahre entstehen ausdrucksstarke Bilder mit bekannter Motivik. Doch das Tier erscheint jetzt als gezähmt, ja fast schon als Bestandteil der Frau, wie bei der Schönen und dem Biest, und die Frau selbst wird, ganz neu bei Splitgerber, zum Dekor, wirkt jetzt, wie im Bild Brennendes Haupt statuenhaft und kühl. Ihre innere Dialektik äußert sich jetzt in dem Kontrast von geschlechtsloser Entrücktheit und feurigrotem, brennendem Haupthaar. Ich denke mir nie etwas, ich fange einfach an zu malen gesteht sie zu diesem Werk

Wenn die Frau jetzt die Vogelfrau umarmt, wie im Bild Umarmung, dann geschieht dies aus dem Verlangen, zu dem geheimnisvollen, maskenhaften und raubtierartigen Wesen der Vogelfrau Zugang zu finden, aber nicht um daran zu partizipieren sondern um diese zu entmystifizieren. Nur wenn sie dies schafft wird sie als Frau zur Verheißung gelangen, die hier im Bild durch eine Sternenlandschaft außerhalb des Raumes dargestellt wird, in Form eines Sternes, der sie willkommen heißen möchte im Reich der Verheißung. Und dorthin soll nicht jeder gelangen dürfen. Im Bild Die Hüterinnen der Schwelle versperren zwei Frauen den freien Zugang zu einem paradiesisch wirkenden Topos jenseits der Tür, kleine weiße Schiffchen auf blauem Wellenspiel verheißen lange Ersehntes. Aus den Jahren 1997 und 1998 begegnen uns in dieser Ausstellung fünf energiegeladene Bilder, die Christine Splitgerber als Explosionen bezeichnet, und die auf den ersten Blick für die Ausstellungswände des sog. Gemeinderaumes wie geschaffen erscheinen. Hier äußert sich eine positive Kraft der Künstlerin, einer vor Energie überschäumenden Artistin, die sich mit diesen Bildern von einem Druck befreit, die sich mit dieser Aktion geradezu abreagiert und so ihre Kunstfertigkeit bis aufs Höchste preisgibt. Tusche und Aquarell vereinen sich in den Händen der Künstlerin zu einer expressionistischen Virtuosität sonders Gleichen.

Es folgt um 2000 eine Serie von ca. 20 sog. Einhornbildem, von denen zwei hier ausgestellt sind: Madchen und Einhorn und Mädchen auf Einhorn im Kapellenvorraum. Das Einhorn erscheint als Verbindungssymbol zum ersehnten Raum der Verheißung. Es bringt das Mädchen auf den richtigen Weg es führt es zum richtigen Ort, ja man möchte fast sagen, der Weg der Künstlern entwickelt sich so wie sie es möchte. Bilder von einer bislang nicht gekannten Leichtigkeit sind in deren Gefolge entstanden, das Schmetterlingsmädchen, die Wassernixe und Undine, um nur einige davon zu nennen. Eines der wenigen Bilder zeigt ein männliches Wesen, das Christine Splitgerber Widderjüngling nennt Einerseits zeigt er Stärke, was sein Gehörn versinnbildlichen soll, andererseits mutiert er bereits zu einem flügelhaften Wesen, auch wenn er noch so bestimmt und mit harten Gesichtszügen aus dem Bild blickt. Sein Schicksal ist die Geschlechtsdiffusion, und aus der Sicht der Künstlerin ist dies ein Hinzugewinn weiblicher Sexualität, die in jedem Mann verborgen ruht.

 

Beschlossen wird die Ausstellung mit zwei Meditationsbildern und einem bewegten Mandala aus dem Jahre 2002, in das die Künstlerin Krümel von der Beifußpflanze eingearbeitet hat. In den beiden erstgenannten Bildern herrscht eine ruhevolle Stimmung, eine erfüllte Stille, in deren Zentrum das Licht seine Energien verstrahlt Das Mandala mit dem Beifuß verrät etwas über die Lebensweise der Künstlerin, die sich hier einer Ritualpflanze bedient, die in ihren Augen den Abschluss und den Neuanfang symbolisiert. Wir alle sind gespannt, zu welchen neuen Ufern Christine Splitgerber aufbrechen wird. Wir durften sie auf einer entscheidenden Schwelle in ihrem Leben näher kennen lernen und dafür sind wir Dir, Christine sehr dankbar!

 

Dr. Johann Schrenk

Schriftführer im Vorstand des Klosterforums Heidenheim

Heidenheim 01.07.2003